Universitätsmedizin Mainz etabliert erfolgreich roboterunterstützte Wirbelsäulenchirurgie

Europaweit einziges Gerät steht Patienten in Mainz zur Verfügung

29.11.2011

Gemäß aktuellen Studien suchen mehr als die Hälfte der Deutschen mindestens einmal in ihrem Leben wegen Rückenschmerzen einen Arzt auf. Glücklicherweise ist in den meisten Fällen keine Operation notwendig. Bei Instabilitäten der Wirbelsäule, die etwa durch Unfälle, Verschleiß, Osteoporose, angeborene Fehlbildungen oder Tumore verursacht werden, kann eine Operation hingegen notwendig sein. Ziel des Eingriffes ist es immer, die Wirbelsäule durch die Versteifung von 2 oder mehr Wirbelkörpern zu stabilisieren. Dazu werden diese Wirbel durch Schrauben miteinander verbunden.

Bei solchen Eingriffen kommt in Mainz jetzt die neue roboterunterstützte Technologie zum Einsatz. "Diese ermöglicht eine sehr hohe Präzision bei der Platzierung der Schrauben und macht so die Wirbelsäulenchirurgie noch sicherer", unterstreicht Prof. Dr. Alf Giese, Direktor der Neurochirurgischen Klinik und Poliklinik. "Zudem können wir alle Eingriffe nun minimal-invasiv durchführen. Der Zugang über kleine Schnitte ist für die Patienten schonender als ein offener Eingriff mit vergleichsweise großen chirurgischen Freilegungen. Sie benötigen weniger Schmerzmittel, zeigen eine bessere Wundheilung und genesen schneller. Insgesamt profitieren die Patienten somit von den klinischen Vorteilen des minimal-invasiven Eingriffs kombiniert mit der hohen Präzision, die die roboterunterstützte Technologie bietet."

"Vor dem eigentlichen Eingriff fertigen wir Computertomographie-Aufnahmen des Patienten an", erläutert PD Dr. Sven Kantelhardt, Oberarzt der Neurochirurgischen Klinik und Poliklinik die Vorgehensweise. "Diese CT-Bilder speisen wir in das neue System ein, um dann mithilfe einer speziellen Planungssoftware daraus je nach Anatomie und Diagnose des Patienten einen optimalen Operationsplan zu erstellen." Im Operationssaal wird der eigentliche Roboter - ein kleines Gerät etwa von der Form einer Coladose - über eine Klemme am Dornfortsatz des Patienten befestigt. Jetzt fertigen die Ärzte zwei Röntgenbilder an. Diese werden über die Planungssoftware mit den CT-Aufnahmen abgeglichen, bis eine Übereinstimmung erreicht ist. Anschließend "sendet" der Chirurg den Roboter nacheinander exakt an die zuvor geplanten Positionen. Über eine Führungshülse, die die Richtung der Schraube vorgibt, kann der Chirurg jetzt Schrauben oder Implantate exakt gemäß dem vordefinierten Plan platzieren. "Alle erforderlichen Planungen, Schnitte und Eingriffe führt der Chirurg eigenhändig durch", betont Sven Kantelhardt. "Der Roboter führt ihn lediglich exakt an die vorher berechnete Stelle. Inzwischen haben wir bereits 11 Patienten auf diese Weise operiert und sind bisher mit dem Ergebnis sehr zufrieden."

"Unser Ziel ist es unseren Patienten modernste Diagnose- und Therapieverfahren auf der Basis neuester Erkenntnisse der medizinischen Forschung anzubieten", so Prof. Dr. Guido Adler, Medizinischer Vorstand und Vorstandsvorsitzender der Universitätsmedizin Mainz. "Die roboterunterstützte Wirbelsäulenchirurgie in der Neurochirurgischen Klinik und Poliklinik ist hierfür ein gutes Beispiel. Wir sind überzeugt, dass sehr viele Patienten hiervon profitieren werden."