Neue Serviceplattform für Digitalisierungsvorhaben an Universitätsbibliothek Mainz gestartet

Visual Collections bringen digitalisiertes Quellenmaterial ins Netz

03.02.2015

Die Digitalisierung von Arbeitsmaterial gehört heute in vielen Disziplinen zum wissenschaftlichen Alltag. Mit den Visual Collections bietet die Universitätsbibliothek Mainz Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) ab sofort eine Lösung zur digitalen Erschließung und Bereitstellung von Quellenmaterial, insbesondere im Bereich der historisch orientierten Forschung. Mit diesem Online-Portal geht die Universitätsbibliothek Mainz einen weiteren Schritt auf dem Weg zu einer digital basierten Infrastruktur für E-Science an der JGU. Gestartet wird das Portal mit zwei Kollektionen, der Sammlung Clemens Brentano und der Sammlung Rotbuch Verlagsarchiv.

Die im Portal veröffentlichten Kollektionen von digitalisierten Materialien und deren Metadaten können über eine komfortable Weboberfläche mithilfe zahlreicher Such- und Anzeigefunktionen durchsucht werden. Die einzelnen Digitalisate lassen sich in verschiedenen Vergrößerungsstufen betrachten, auch an der gezielten Suche nach Textstellen wird gearbeitet. Für die Bearbeitung von Quellenmaterial zur weiteren Forschung in anderen Systemen, können die Daten in international standardisierten Formaten ausgeben oder direkt in andere Softwaresysteme übernommen werden. Sämtliche im Portal erfassten Daten sollen frei zugänglich (Open Access) angeboten werden. So wird sichergestellt, dass einer Nachnutzung des Materials für weitere Forschungsvorhaben auch rechtlich nichts im Wege steht.

Die Sammlung Clemens Brentano wurde in den Jahren 1953/54 von der Buchhandlung Pattloch in Aschaffenburg durch die Universitätsbibliothek Mainz erworben. Sie umfasst Korrespondenz, Manuskripte, Gedichte und sonstige Dokumente von Clemens Brentano sowie Briefe seiner Familienangehörigen, unter anderem von Bettina von Arnim und Sophie (Mereau-) Brentano. Visual Collections bietet Zugriff insbesondere auf das Briefmaterial.

Unter den Beständen des Mainzer Verlagsarchivs nimmt das Archiv des Rotbuch Verlags eine Sonderstellung ein. Im Jahr 1973 vom Verlag Wagenbach abgespalten, wurde er bis 1993 im Kollektiv weitergeführt. Als dezidiert linker Verlag war Rotbuch politisch engagiert und ist somit auch als Zeugnis gesellschaftlicher und politischer Veränderungen interessant. Etwa in seiner Rolle als Forum für osteuropäische Schriftsteller und DDR-Autoren, die über den Verlag erstmals in der Bundesrepublik Deutschland veröffentlicht wurden. Der Bestand ermöglicht Einblicke in interne Entscheidungsprozesse und die Kommunikation mit Autoren und Buchhandel, aber auch in die Marketing- und Pressearbeit sowie die Finanzen des Verlags. Über die Visual Collections ist mit dem Launch ein Teil der Rotbuch-Archivalien online zugänglich.

Die Visual Collections basieren auf der Softwarelösung "Visual Library" der semantics Kommunikationsmanagement GmbH. Sie dienen nicht allein als Präsentationsplattform für digitale Sammlungen, sondern helfen dabei, Digitalisierungsprozesse in der Universitätsbibliothek Mainz zu optimieren. Ein wichtiger Mehrwert, da Drittmittelgeber strenge Maßstäbe an die Datenformate und die Nachnutzbarkeit von Digitalisaten anlegen – nicht nur bei der Digitalisierung des Arbeitsmaterials zu Beginn eines Forschungsvorhabens, sondern auch bei der anschließenden Langzeitarchivierung in einem zentralen universitären Speichersystem in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Datenverarbeitung der JGU.

Bei der Entwicklung des Portals hat die Universitätsbibliothek Mainz ein besonderes Augenmerk darauf gelegt, den spezifischen Anforderungen der Nutzer aus Wissenschaft und Forschung zu entsprechen. "Bei der Gestaltung der zukünftigen, umfassenden virtuellen Forschungsinfrastruktur für die Johannes Gutenberg-Universität Mainz brauchen wir den engen Schulterschluss zentraler Einrichtungen mit der Wissenschaft“, erklärt Dr. Andreas Brandtner, Direktor der Universitätsbibliothek Mainz. So wurden die Visual Collections in Kooperation mit den Forschungsschwerpunkten "Medienkonvergenz" und "Historische Kulturwissenschaften" der JGU entwickelt.