Neue Studie zur Therapie von Lungenembolie-Patienten mit erhöhtem Komplikationsrisiko

Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz untersuchen Blutgerinnungsmedikament

10.04.2015

Eine neue Studie des Centrums für Thrombose und Hämostase (CTH) der Universitätsmedizin Mainz soll dazu beitragen, das Behandlungsspektrum eines oralen blutgerinnungshemmenden Medikaments auf Basis des Wirkstoffs Dabigatran besser zu definieren. Das Ziel ist herauszufinden, ob sich der Blutgerinnungshemmer zur Behandlung von Patienten mit akuter Lungenembolie und erhöhtem, sogenanntem intermediärem, Komplikationsrisiko eignet. Die Studie "Pulmonary Embolism International Trial" (PEITHO)-2 wird vom Ärztlichen Direktor des CTH, Prof. Dr. Stavros Konstantinides, geleitet und in Zusammenarbeit mit dem Interdisziplinären Zentrum Klinische Studien (IZKS) der Universitätsmedizin Mainz europaweit durchgeführt.

"Seit der Veröffentlichung der aktualisierten europäischen Leitlinie zur Therapie der Lungenembolie im September 2014 wissen wir konkret, wie wir ein erhöhtes Komplikationsrisiko voraussagen können. Auf der Grundlage dieser neuen Erkenntnisse hoffen wir nachweisen zu können, dass die Behandlung von Lungenembolien intermediären Risikos mit dem oralen Blutgerinnungshemmer Dabigatran wirksam und sicher ist. Wir werden außerdem prüfen, zu welchem Zeitpunkt und nach welchen Kriterien eine Umstellung von Heparinspritzen auf die orale Gerinnungshemmung erfolgen kann", erläutert Studienleiter Prof. Dr. Stavros Konstantinides, Professor für Klinische Studien und Ärztlicher Direktor des CTH.

"Diese klinische Prüfung soll an mehreren Zentren in Deutschland sowie in acht bis zehn weiteren europäischen Ländern hauptverantwortlich durch das IZKS durchgeführt werden", so Prof. Dr. Annegret Kuhn, Leiterin des IZKS. Insgesamt sollen über 700 Patienten, die mit einer vermuteten akuten Lungenembolie ins Krankenhaus eingewiesen werden, an der Studie teilnehmen und mittels der bildgebenden Verfahren Computertomografie oder Lungenszintigrafie untersucht werden. Sofern sich die Diagnose einer akuten Lungenembolie bestätigt, wird die Einnahme des zu untersuchenden blutgerinnungshemmenden Medikaments, eines Antikoagulans, über die nächsten Monate einer der wichtigsten Bestandteile der Behandlung sein, um das Auftreten erneuter Lungenembolien zu verhindern.

Neue orale Antikoagulanzien sind erst seit Kurzem für die Therapie von Lungenembolien zugelassen. "Verglichen mit der Standardtherapie aus Heparin und Marcumar bescheinigen die großen Zulassungsstudien für diese Medikamente insgesamt eine mindestens so hohe Wirksamkeit bei möglicherweise besserer Sicherheit. Dennoch bezweifeln viele Kliniker, dass auch Patienten mit einer schweren akuten Lungenembolie von diesen neuen Substanzen profitieren können", so Konstantinides.

Die PEITHO-2-Studie wurde durch ein internationales Komitee geplant. Boehringer Ingelheim unterstützt die Studie finanziell und stellt das Studienmedikament zur Verfügung.

Das Centrum für Thrombose und Hämostase (CTH) wird als Modellzentrum zur verbesserten Integration von Ausbildung, Forschung und Patientenversorgung unter einem translationalen Fokus vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des nationalen Programms "Integrierte Forschungs- und Behandlungszentren" (IFB) gefördert. Im CTH-Konzept wird die Schnittstelle zwischen Patientenbehandlung und Forschung neu definiert und so die Voraussetzung für Innovationen in der Gesundheitsversorgung geschaffen. Die Umsetzung von Erkenntnissen aus der Grundlagenforschung in die klinische Anwendung und umgekehrt ist dabei der Schlüssel zum Erfolg. Umgekehrt sollen klinische Beobachtungen als Anregung und Rückkoppelung direkt in die Grundlagenforschung einfließen.

Das Interdisziplinäre Zentrum Klinische Studien (IZKS) der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist eines von fünf vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten klinischen Studienzentren an deutschen Universitäten, die zur Optimierung der klinischen Forschung und damit zur Stärkung des Forschungsstandorts Deutschland beitragen. Seit dem Jahr 2007 bündelt das IZKS Studienaktivitäten patientenorientierter Forschung der verschiedenen Einrichtungen der Universitätsmedizin Mainz mittels einer interdisziplinären Organisationsstruktur und entwickelt klinische Studieneinheiten, sogenannte Clinical Trial Units, regionale Studiennetzwerke und Qualifizierungsmaßnahmen für klinisches Forschungspersonal kontinuierlich weiter. Auch besteht eine ausgedehnte Vernetzung mit über 24 anderen Universitäten beziehungsweise Einrichtungen im In- und Ausland.