Universitätsmedizin Mainz präsentiert neuen Hochleistungslinearbeschleuniger zur punktgenauen Tumorbestrahlung

Neue Behandlungsmöglichkeiten bisher inoperabler Tumoren in Lunge, Leber und Bauchspeicheldrüse

06.07.2015

Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) verfügt seit Kurzem über einen neuen hochmodernen Linearbeschleuniger. Das Gerät in der Klinik und Poliklinik für Radioonkologie und Strahlentherapie ermöglicht dank genauerer Strahlenfokussierung auf den Tumor eine effektivere Therapie bei geringerer Belastung des Patienten. Besonders gut geeignet ist der Hochleistungslinearbeschleuniger für die Behandlung von bislang als inoperabel geltenden Tumoren in den Bereichen Lunge, Leber und Bauchspeicheldrüse. Für die Installation des neuen Beschleunigers war ein Neubau mit Bestrahlungsraum und Funktionsräumen erforderlich.

"Mit dem neuen Linearbeschleuniger ist die Universitätsmedizin Mainz auf dem neuesten Stand der Strahlentherapie. Er eröffnet Patientinnen und Patienten optimierte Behandlungsmöglichkeiten und wir versprechen uns von ihm neue Erkenntnisse für die Therapien der Zukunft", so Wissenschaftsministerin Vera Reiß. "Der neue Linearbeschleuniger ist das Ergebnis intensiver Grundlagen- und anwendungsorientierter Forschung, der sich die Universitätsmedizin Mainz in besonderer Weise widmet. Er stärkt die Klinik und Poliklinik für Radioonkologie und Strahlentherapie im internationalen Wissenschaftsaustausch. Das Land hat den Bau der nötigen Funktionsräume daher mit fast 7 Millionen Euro gern gefördert. Es ist eine Investition in die Wissenschaft und eine Investition für Menschen in unserem Land und darüber hinaus."

"Für das Überleben von Krebspatienten ist die Strahlentherapie meist ein zentrales Behandlungselement. Mittels des neuen Hochleistungslinearbeschleunigers können wir nun präziser, schneller, effizienter und damit für den Patienten schonender behandeln", betont die Vorstandsvorsitzende und Medizinischer Vorstand der Universitätsmedizin Mainz, Prof. Dr. Babette Simon. "Die bestmögliche Behandlung von Tumorerkrankten ist uns ein zentrales Anliegen. Daher stimmen unsere Experten im Rahmen unseres Universitären Centrums für Tumorerkrankungen oder kurz UCT, zu dem auch die Klinik und Poliklinik für Radioonkologie und Strahlentherapie gehört, alle Krebsbehandlungen interdisziplinär ab. Ich freue mich, dass wir die Strahlentherapie nun auch mit diesem innovativen Linearbeschleuniger anbieten können."

"Der neue Hochleistungslinearbeschleuniger zeichnet sich insbesondere durch seine Fähigkeit aus, Präzisionsbestrahlungen mit hoher Geschwindigkeit durchzuführen. Durch die Option der hochdosierten Präzisionsbestrahlung des Tumors können wir die medikamentöse Tumortherapie gezielt verbessern und sie auf die individuellen Bedürfnisse der Krebspatienten abstimmen. Für unsere Patienten bedeutet dies einen Fortschritt in der individualisierten Medizin", erläutert der Direktor der Klinik und Poliklinik für Radioonkologie und Strahlentherapie der Universitätsmedizin Mainz, Prof. Dr. Heinz Schmidberger. Zudem ist der neue Linearbeschleuniger für neue Forschungsfelder in der Onkologie wie der Oligometastasierung und besonders der Immunonkologie von Nutzen. Das hochmoderne Gerät ermöglicht die Teilnahme an wichtigen internationalen Studien zur Krebsbehandlung und die Erforschung und Anwendung neuer Behandlungsformen. So lässt sich beispielsweise bei bestimmten Risikopatienten, die bislang als nicht kurabel eingeschätzt wurden, auch im metastasierten Krankheitsstadium noch eine Heilung erzielen, wenn alle sichtbaren Metastasen präzise bestrahlt werden.

Der neue Linearbeschleuniger "True Beam" von Varian Medical Systems gilt als einer der weltweit präzisesten seiner Art. Er basiert auf modernster Computertechnologie und verfügt über eine integrierte Bildgebung. So können die Strahlentherapeuten die Tumorregion mit einer Genauigkeit von einem Millimeter lokalisieren und während der Bestrahlung beobachten. Das eingesetzte Verfahren des sogenannten Atemgating, also der Bestrahlung in einer bestimmten Atemphase, schont dabei insbesondere die Lunge. Darüber hinaus lassen sich mit dem neuen Hightechgerät künftig inoperable Tumoren in der Lunge, Leber und Bauchspeicheldrüse besser behandeln. Dafür kommt eine neue Methode, die sogenannte stereotaktische Radiotherapie, zur Anwendung. Für die Patienten liegen die Vorteile ihres Einsatzes in der gestiegenen Effektivität der Strahlentherapie bei geringerer Belastung und reduzierten Behandlungszeiten.

Nach einer Bauzeit von elf Monaten waren das Gebäude und seine Außenanlagen im April 2015 fertiggestellt. Auf einer Grundfläche von rund 400 Quadratmetern und einer Kubatur von 2.000 Kubikmetern entstanden 280 Quadratmeter Nutzfläche für die Strahlentherapie. Kernstück des Neubaus ist der Bestrahlungsraum mit dem neuen Linearbeschleuniger. Aus Gründen des Strahlenschutzes wurden die Wände und Decken aus Strahlenschutzbeton mit einer Dicke von bis zu drei Metern erstellt. Die Zugangstür, in Form eines Strahlenschutztors, ist mit Spezialschwerbeton gefüllt und hat eine Dicke von einem Meter und ein Gewicht von 28 Tonnen. Die Gesamtkosten für das Gebäude mit integriertem Bunker für den Hochleistungslinearbeschleuniger belaufen sich auf insgesamt knapp unter sieben Millionen Euro.