Mainzer Studentinnen forschen in Kooperation mit UNESCO an Wernerkapelle in Bacharach

UNESCO Young Experts Forum bietet interdisziplinäres Arbeiten und Völkerverständigung

26.06.2015

Lernen an der Universität und gleichzeitig an aktueller Forschung partizipieren: Für Studentinnen der Kunstgeschichte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) ging dieser oftmals nur bedingt einzulösende Wunsch am vergangenen Wochenende in Erfüllung. Gemeinsam mit Architekturstudenten von der Hochschule RheinMain in Wiesbaden und internationalen Studierenden, die im Rahmen des UNESCO Young Experts Forums in Deutschland zu Besuch sind, untersuchten die angehenden Akademiker unter anderem mithilfe lasergestützter Technologie die Bausubstanz der Wernerkapelle in Bacharach. Die studentischen Teams wurden aus je einer Studentin der Kunstgeschichte von der JGU, einer Architekturstudentin bzw. einem Architekturstudenten der Hochschule RheinMain und einem internationalen Studierenden gebildet. "Die gemischten Teams sorgten nicht nur für interdisziplinäres Arbeiten, sondern trugen auch zur internationalen Völkerverständigung bei", erklärt Dr. Hauke Horn vom Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft der JGU, Initiator und Leiter der Veranstaltung, die Zielsetzungen der Zusammenarbeit.

Horn selbst erforscht im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Forschungsprojekts "Regionale Vernetzung und überregionaler Anspruch: Mittelalterliche Sakralarchitektur am Mittelrhein (ca. 1220 bis 1350)", unter Projektleitung von Prof. Dr. Matthias Müller, die mittelalterlichen Kirchen am Mittelrhein. Hierbei geriet die Wernerkapelle in Bacharach nicht nur als eines der herausragenden Gebäude jener Zeit in der Region ins Blickfeld des wissenschaftlichen Interesses, sondern auch, weil in der Ruine das nackte, unverputzte Mauerwerk zu sehen ist. Diese sonst in der Regel nicht sichtbare Bausubstanz erlaubt es, Erkenntnisse über mittelalterliche Bautechnik und Transferprozesse zu gewinnen, die sonst kaum zu ermitteln wären.

Die Kunstgeschichtsstudentinnen der JGU wurden im Rahmen der Veranstaltung in grundlegenden Fragen und Methoden der Bauforschung, Bauaufnahme und Denkmalpflege eingeführt. Hierbei wurden lasergestützte Tachymeter und CAD-Programme ebenso verwendet wie konventioneller Bleistift und Zeichenpapier. Im Ergebnis brachte jede Studentin einen steingerechten Plan eines Teils der Kapelle zu Papier. Diese zeichnerischen Dokumentationen werden im Rahmen des DFG-Forschungsprojekts weiter ausgewertet und dienen als Grundlage für weitere Untersuchungen oder denkmalpflegerische Maßnahmen.

Die Besonderheit der Lehrveranstaltung wurde durch gleich zwei Kooperationspartner in außergewöhnlicher Weise gesteigert: Zum einen fand die Veranstaltung gemeinsam mit Architekturstudenten der Hochschule RheinMain statt, die von Prof. Dr. Corinna Rohn betreut wurden. Auf diese Weise wurde eine Interdisziplinarität erzeugt, von der beide Seiten in hohem Maße profitieren konnten. Vor dem Hintergrund der hervorragenden Ergebnisse haben Prof. Dr. Corinna Rohn und Dr. Hauke Horn weitere Kooperationen in Lehre und Forschung vereinbart. Darüber hinaus nahmen internationale Studierende des UNESCO Young Experts Forums, das im Vorfeld der diesjährigen Sitzung des UNESCO World Heritage Komitees in Bonn stattfindet, an der Veranstaltung teil. Die jungen Studierenden kamen beispielsweise aus Namibia, Mexiko oder Japan und lernten mit Ihren deutschen Kommilitoninnen und Kommilitonen die praktische Auseinandersetzung mit dem Weltkulturerbe in Deutschland kennen und wollen das neu gewonnene Wissen in ihre Heimatländer tragen. Aufgrund der guten Erfahrungen wird bei der Ausbildung des akademischen Nachwuchses im Kontext des architektonischen Weltkulturerbes eine weitere Zusammenarbeit zwischen der JGU und der UNESCO angestrebt. Wie Prof. Dr. Matthias Müller vom Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft der JGU mitteilte, würde eine solche Kooperation die an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz angebotene architekturhistorische Ausbildung um einen wesentlichen Praxisbezug ergänzen.