Martin Brüggemann mit Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft ausgezeichnet

Entwicklung einer neuartigen Methode zur Untersuchung von Feinstaubpartikeln allgemeinverständlich erklärt

07.10.2016

Der Chemiker Dr. Martin Brüggemann gehört zu den diesjährigen Preisträgern des Klaus Tschira Preises für verständliche Wissenschaft. Brüggemann hat 2015 am Max Planck Graduate Center mit der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (MPGC) über die Untersuchung von Feinstaubpartikeln auf ihre chemische Zusammensetzung promoviert und das Thema seiner Arbeit in einem populärwissenschaftlichen Artikel allgemeinverständlich dargestellt. Hierfür erhielt er jetzt die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung der Klaus Tschira Stiftung, zusammen mit fünf weiteren Preisträgerinnen und Preisträgern. "Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung und das damit verbundene Privileg, meine Studien einem breiten Publikum vorstellen zu dürfen. Ich denke, dass es extrem wichtig ist, aktuelle Forschungsthemen auch außerhalb der akademischen Kreise zu diskutieren – gerade wenn es sich um globale, gesellschaftlich hochrelevante Probleme wie Feinstaub und Klimawandel handelt. Eine gelungene Kommunikation zwischen Wissenschaftlern und der Öffentlichkeit ist dazu unerlässlich", so Brüggemann.

Aerosolpartikel sind kleinste Schwebstoffe in der Luft, die in der gesamten Atmosphäre vorkommen. Sie beeinflussen die lokale Luftqualität ebenso wie die Wolkenbildung und den Treibhauseffekt. Weil sich die Partikel in ihren chemischen und physikalischen Eigenschaften sehr stark unterscheiden, ist auch ihre Wirkung wie etwa ihre Toxizität sehr unterschiedlich. An den Folgen von Feinstaub, wie die Aerosolpartikel auch genannt werden, sterben weltweit jedes Jahr über drei Millionen Menschen. Vor diesem Hintergrund hat Martin Brüggemann eine Methode gesucht, um die Partikel möglichst schnell analysieren und damit einordnen zu können. Er konzentrierte sich dabei auf die Klasse der kleinsten Aerosolpartikel, die für die menschliche Gesundheit eine besondere Gefahr darstellen und die auch für klimatische Prozesse von Bedeutung sind. In seiner Promotionsarbeit entwickelte er ein Verfahren, um die Partikel zu verdampfen und sie dann mit der Massenspektrometrie, einer bewährten Nachweismethode, zu analysieren. "Damit ist es Herrn Brüggemann gelungen, eine schnelle und zuverlässige Methode zu etablieren, um Feinstaubpartikel auf ihre chemische Zusammensetzung hin zu untersuchen", erklärt Prof. Dr. Thorsten Hoffmann, der die Promotionsarbeit von Seiten der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) betreut hat. Die Wirksamkeit der neuen Methode konnte nicht nur in Laborstudien, sondern auch bei Messungen im Fichtelgebirge unter realistischen Bedingungen bewiesen werden.

Martin Brüggemann, geboren 1985, studierte Chemie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Er arbeitete als Stipendiat des Max Planck Graduate Center (MPGC) im Arbeitskreis von Prof. Dr. Thorsten Hoffmann am Institut für Anorganische Chemie und Analytische Chemie der JGU an seiner Dissertation mit dem Titel "Development, Characterization, and Application of Flowing Atmospheric-Pressure Afterglow Ionization for Mass Spectrometric Analysis of Ambient Organic Aerosols". Seit Anfang 2016 forscht Martin Brüggemann in Frankreich am Institut des recherches sur la catalyse et l'environnement de Lyon (IRCELyon) auf dem Gebiet der Charakterisierung von Umweltschadstoffen in Luft und Wasser.

Die Klaus Tschira Stiftung vergibt jährlich den Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft – kurz KlarText! – in den Fächern Biologie, Chemie, Informatik, Mathematik, Neurowissenschaften und Physik. Die Auszeichnung wurde erstmals 1997 vergeben. Bewerben können sich Nachwuchswissenschaftler, die im Jahr zuvor promoviert wurden.

Das "Max Planck Graduate Center (MPGC) mit der Johannes Gutenberg-Universität Mainz", so der komplette Name, wurde 2009 eingerichtet. Es zeichnet sich durch seine besondere interdisziplinäre Ausrichtung aus. Die beiden Max-Planck-Institute für Chemie und Polymerforschung und die JGU bringen damit die naturwissenschaftlichen Forschungen in interdisziplinäre Themen ein und schaffen so ein attraktives Angebot für herausragende Doktoranden aus aller Welt. Derzeit promovieren 60 Doktorandinnen und Doktoranden am MPGC.