Millionenförderung für herausragende Forschung an der JGU: Deutsche Forschungsgemeinschaft verlängert drei Sonderforschungsbereiche

Weitere Förderperiode für Sonderforschungsbereiche unter Beteiligung von Mainzer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Materialwissenschaften, Kernphysik und Universitätsmedizin Mainz

27.11.2019

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat der Verlängerung von drei Sonderforschungsbereichen (SFB) unter Beteiligung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Kernphysik, der Materialwissenschaften und der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) zugestimmt. So werden die SFBs "Spin+X – Spin in seiner kollektiven Umgebung" und "Molekulare und funktionale Charakterisierung der selektiven Autophagie" für vier weitere Jahre gefördert. Auch der SFB "Atomkerne: Von fundamentalen Wechselwirkungen zu Struktur und Sternen" der TU Darmstadt, an dem erstmals Mainzer Physikerinnen und Physiker beteiligt sind, erhält eine weitere Förderperiode. Insgesamt wurde hierzu ein Fördervolumen von über 30 Millionen Euro bei der DFG für alle Standorte beantragt. "Diese erfolgreichen Verbundforschungsprojekte stärken durchweg die Profilbereiche unserer Universität und sind somit zugleich eine Bestätigung der Forschungsstrategie der JGU", erklärt der Präsident der JGU, Prof. Dr. Georg Krausch. "Unsere Anerkennung gilt insbesondere den beteiligten Mainzer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die mit ihren herausragenden Forschungsleistungen das wichtige strategische Ziel unterstützen, die Position der JGU im Wettbewerb der forschungsstarken deutschen Universitäten nachhaltig zu festigen."

SFB/TRR 173: Spin+X – Spin in its collective environment

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert den Sonderforschungsbereich/Transregio (SFB/TRR) "Spin+X – Spin in its collective environment" der TU Kaiserslautern und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz für weitere vier Jahre mit rund zehn Millionen Euro.

Forschungsteams aus der Physik, der Chemie und den Ingenieurwissenschaften untersuchen in dem Sonderforschungsbereich grundlegende magnetische Eigenschaften und Prozesse und evaluieren ihr Potenzial für mögliche Anwendungen. Im Fokus steht der Spin, ein quantenmechanisches Phänomen, das die Grundlage der magnetischen Eigenschaften ist. Mit neuen Aspekten, wie der antiferromagnetischen Spintronik, ließe sich etwa das Speichern großer Datenmengen effizienter gestalten. Erkenntnisse der Spin-Forschung fließen schon seit Jahren in die Entwicklung neuer Techniken wie beispielsweise magnetischer Speicherchips und Sensoren ein.

Der SFB/TRR "Spin+X – Spin in seiner kollektiven Umgebung" wurde 2016 erstmals bewilligt. Die Koordination liegt bei der TU Kaiserslautern. Daran beteiligt sind in Kaiserslautern die drei Fachbereiche Physik, Chemie sowie Maschinenbau und Verfahrenstechnik, von Seiten der JGU das Institut für Physik sowie das Institut für Anorganische Chemie und Analytische Chemie. Die zweite Förderphase beginnt im Januar 2020. Mainzer Co-Sprecher ist Prof. Dr. Mathias Kläui vom Institut für Physik der JGU.

SFB 1177: Molekulare und funktionale Charakterisierung der selektiven Autophagie

Der SFB "Molecular and functional characterization of selective autophagy" der Goethe-Universität Frankfurt und der JGU hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft erneut von seinem Forschungspotenzial überzeugt: Sie fördert das Verbundprojekt für weitere vier Jahre mit voraussichtlich fast zwölf Millionen Euro. Im SFB 1177 erforschen interdisziplinäre Teams aus Biochemikern, Zellbiologen, Strukturbiologen und Medizinern das komplexe Zusammenspiel von Zellerneuerung und zellulärer Qualitätskontrolle, um besser zu verstehen, wie die Autophagie auf molekularer und zellulärer Ebene abläuft. Treten bei diesem wichtigen Abbauprozess in der Zelle Fehler auf, kann es zur Entstehung von Krebs, Morbus Parkinson, Infektionskrankheiten und Entzündungsreaktionen kommen. Deshalb sind neue Erkenntnisse über die zugrundeliegenden regulatorischen Mechanismen von großer Relevanz. Auf lange Sicht wollen die Teams des SFB 1177 Angriffspunkte für neue, gezielt wirkende Medikamente identifizieren.

Das Verbundprojekt SFB 1177 zur selektiven Autophagie ist eine Kooperation der Goethe-Universität Frankfurt in Sprecherschaft und des Instituts für Pathobiochemie der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Co-Sprecherschaft. Mainzer Co-Sprecher ist Prof. Dr. Christian Behl. Ebenfalls beteiligt sind das Institut für Molekulare Biologie gGmbH in Mainz und das Frankfurter Georg-Speyer-Haus sowie das Max Planck Institut für Biophysik in Frankfurt sowie Projekte der Ludwig-Maximilians-Universität München, der Universität Tübingen sowie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

SFB 1245: Atomkerne: Von fundamentalen Wechselwirkungen zu Struktur und Sternen

Ein weiterer Sonderforschungsbereich mit Mainzer Beteiligung ist der SFB "Nuclei: From fundamental interactions to structure and stars". Unter Sprecherschaft der TU Darmstadt geht dieser SFB mit der nun erfolgten Verlängerung und einer voraussichtlichen Fördersumme von rund zehn Millionen Euro in die zweite Runde. Im Rahmen des SFB 1245 befassen sich über 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Institut für Kernphysik der TU Darmstadt sowie dem GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung und von der JGU mit der systematischen Beschreibung von Atomkernen über die gesamte Nuklidkarte hinweg – auf Basis effektiver Feldtheorien der starken Wechselwirkung und mittels Schlüsselexperimenten an internationalen Forschungsanlagen in Japan und den USA sowie in Darmstadt.

Prof. Dr. Sonia Bacca und Prof. Dr. Pierre Capel vom Institut für Kernphysik der JGU bringen ihre Expertise im Bereich der theoretischen Kernphysik ein: Bacca beschäftigt sich mit der Vorhersage der Polarisierbarkeit von Atomkernen in der Nähe abgeschlossener Schalen, um theoretische Modelle basierend auf chiraler effektiver Feldtheorie zu testen. Eine erweiterte Kenntnis dieser Polarisierbarkeit führt zu einer verbesserten Bestimmung der Zustandsgleichung neutronenreicher Kernmaterie und ihrer Anwendung zur Beschreibung der Nukleosynthese in Supernovae und der Eigenschaften von Neutronensternen. Capel forscht auf dem spannenden Gebiet der Atomkerne mit einer sogenannten Halo-Struktur. In diesen Kernen bilden einige lose gebundene Nukleonen eine Art Halo um die anderen Nukleonen. Ziel ist die Beschreibung der Reaktionen dieser exotischen Kerne mittels theoretischer Modelle.

Über das Verständnis der starken Wechselwirkung hinaus befasst sich der SFB 1245 auch ausgiebig mit elektroschwachen Wechselwirkungen und nuklearer Astrophysik.