Transatlantische Kooperation in der digitalen Musiklehre

Projekt der Johannes Gutenberg-Universität Mainz mit der Texas State University wird mit rund 73.000 Euro gefördert

01.10.2020

Seit Beginn dieses Monats kooperiert die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) in verschiedenen Bereichen der musikbezogenen Lehre eng mit der im texanischen San Marcos ansässigen Texas State University. Ein entsprechendes Projekt mit dem Titel "Virtuelle Musiklehre in Kunst und Wissenschaft" wird mit rund 73.000 Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) unterstützt. Es hat zum Ziel, innerhalb eines Jahres gemeinsame digitale Lehrangebote zu entwickeln und dadurch einerseits fachliche Kompetenzen und andererseits den interkulturellen Austausch von Lehrenden und Studierenden zu fördern. "Auf diese Weise wollen wir die durch die Corona-Pandemie entstandenen Herausforderungen meistern und die Chancen nutzen, die sich daraus ergeben", sagt Juniorprofessorin Dr. Stefanie Acquavella-Rauch von der JGU, die das Projekt leitet. "Die Herausforderungen bestehen dabei natürlich bei den starken Einschränkungen bei Auslandsreisen und -aufenthalten und bei Präsenzveranstaltungen im Allgemeinen. Die Chancen sehe ich darin, dass die Pandemie sehr starke Aufmerksamkeit für das Thema digitale Lehre geweckt hat."

Die gemeinsamen Lehrangebote sollen langfristig in den Lehrplänen verankert werden. Das betrifft solch unterschiedliche Bereiche wie Gehörbildung, Musikanalyse, Satzlehre und musikwissenschaftliche Grundlagen aber auch Ergänzungen des künstlerischen Einzel- oder Gruppenunterrichts. "Mit dem gemeinsamen virtuellen Angebot möchten wir nicht nur herkömmliche Veranstaltungen abdecken, sondern auch neue Formate schaffen", sagt Acquavella-Rauch. Geplant sind sowohl "synchrone" Online-Lehrveranstaltungen, Vorträge und Konzerte, die gleichzeitig für Studierende in Mainz und San Marcos stattfinden, als auch "asynchrone" Angebote, etwa E-Learning-Kurse, welche Studierende individuell und zeitversetzt absolvieren können. "Dabei möchten wir die unterschiedlichen Stärken bei uns und an der Texas State University nutzen", sagt Acquavella-Rauch. "Wir in Mainz haben zum Beispiel besondere Kompetenzen, was den Einsatz von Informationstechnologien bei der Musikedition betrifft. In Texas ist man uns hingegen beim Einsatz von Software bei der Gehörbildung und beim Vom-Blatt-Singen voraus." Die Zusammenarbeit soll in erster Linie über Online-Plattformen wie Microsoft Teams oder Moodle laufen. Geplant sind für den Sommer des kommenden Jahres aber auch Kurzaufenthalte von Acquavella-Rauch und den zwei anderen Projektverantwortlichen, Prof. Dr. Birger Petersen von der JGU und Prof. Dr. Nico Schüler von der Texas State University, an der jeweiligen Partneruniversität.

Teil des Projekts soll es auch sein, dessen Verlauf und die aus ihm resultierenden Lehrangebote auf einer Website zu dokumentieren und zu veröffentlichen. "Dadurch wollen wir es auch anderen Universitäten und Hochschulen ermöglichen, unsere Erfahrungen und Ergebnisse zu nutzen", sagt Acquavella-Rauch. Sie hofft, dass die Ergebnisse des Projekts auch über ein eventuelles Ende der Pandemie hinauswirken: "Durch Online-Kurse mit ausländischen Partnern können Studierende künftig auch zu Hause wertvolle interkulturelle Erfahrungen sammeln."