Akkreditierungsrat bestätigt universitäres Qualitätssicherungssystem der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Erneuter Erfolg im Prozess der Systemakkreditierung im Bereich von Studium und Lehre

08.10.2020

Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) hat erfolgreich den Prozess der Re-Systemakkreditierung absolviert. Damit wurde das bereits im Jahr 2011 zertifizierte interne Qualitätsmanagementsystem der JGU durch den Akkreditierungsrat erneut bestätigt. "Wir freuen uns sehr über das positive Gutachtervotum, das unser langjährig etabliertes internes Qualitätsmanagement bestätigt", erklärt der Präsident der JGU, Prof. Dr. Georg Krausch. Das Verfahren der Systemakkreditierung fand im Rahmen der Beteiligung der JGU an der Experimentierklausel statt. "Eigentlich hätten wir vor ein paar Jahren zum zweiten Mal das übliche Verfahren zur Akkreditierung unseres Qualitätsmanagementsystems initiiert", berichtet Krausch. "Durch die erfolgreiche Beteiligung an der Experimentierklausel haben wir mit dem Kollegialen Audit jedoch einen Ansatz entwickelt, mit dem die JGU nicht nur das offizielle Siegel der Systemakkreditierung erhält, sondern auch ganz neue Impulse für das Akkreditierungswesen setzt."

Die Mainzer Idee hat den Akkreditierungsrat überzeugt: Der Ansatz des Kollegialen Audits rückt den Aspekt der Qualitätsentwicklung gegenüber dem ansonsten überwiegenden rechenschaftslegenden Aspekt dieser Verfahren in den Vordergrund. Der neu entwickelte Ansatz soll dazu führen, die Vorteile von legitimatorischen und Qualität entwickelnden Aspekten der Qualitätssicherung zusammenzuführen, ohne dabei die Selbstverantwortung und Selbststeuerung der Hochschulen infrage zu stellen. Dazu hat die JGU ihre internen Qualitätssicherungsverfahren in den vergangenen Jahren sukzessive weiterentwickelt und sich insbesondere Fragen der nachhaltigen Qualitätsentwicklung gewidmet. "Es hat sich gezeigt, dass die internen Verfahren vor allem dann gewinnbringend sind, wenn jenseits der standardmäßig zu überprüfenden Qualitätskriterien auch spezifische Fragen und Problemlagen der Fächer und Fachbereiche adressiert werden," erklärt der Vizepräsident für Studium und Lehre der JGU, Prof. Dr. Stephan Jolie. Zentrales Anliegen sei dabei eine hohe Beteiligung von Studierenden und Lehrenden sowie von Akteuren aus dem wissenschaftsstützenden Bereich, um kollegiale Verantwortung für die Qualitätsentwicklung und ein gemeinsames Verständnis von Qualität in Studium und Lehre zu erzeugen.

Kollegiales Audit im Austausch mit Partneruniversitäten

Auf Systemebene steht im Rahmen der Experimentierklausel der themenbezogene Austausch mit internationalen Hochschulen im Vordergrund, um sowohl hochschulübergreifende als auch universitätsinterne Impulse abzuleiten. Im November 2019 fand in diesem Kontext das erste gesamtuniversitäre Kollegiale Audit in Kooperation mit der Universität Maastricht statt. Gegenstand des Austauschs waren die Weiterentwicklung didaktischer Modelle am Beispiel des Problembasierten Lernens, die Internationalisierung von Hochschulen sowie Studierendengesundheit. "Vorteil dieses themenbezogenen Austauschs ist es, Querschnittsthemen in den Blick nehmen zu können, die in den üblichen Qualitätssicherungsverfahren auf Systemebene häufig nicht Gegenstand sind. Durch den themenbezogenen kollegialen Austausch mit einer Partnerhochschule können wir unsere Qualitätskultur stärken und in verschiedenen Bereichen wechselseitig voneinander lernen. Innerhalb unserer Universität konnten wir durch die Beteiligung unterschiedlicher Hochschulakteure viel Mobilität erzeugen", so JGU-Präsident Prof. Dr. Georg Krausch. Die Kooperationen sollen in den kommenden Jahren auf weitere Hochschulen im europäischen Hochschulraum ausgeweitet werden. Ziel ist es, Hochschulen zu identifizieren, die mit Blick auf ihre Stärken und Bedarfe komplementär sind, damit beide wechselseitig voneinander profitieren.

Und so bewertet auch der Akkreditierungsrat die Anstrengungen der JGU durchweg positiv: "Dieses von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz entwickelte Modell des kollegialen Austauschs ist als positives Beispiel für ein Instrument der Qualitätsentwicklung zu werten, das Antworten auf zentrale Fragen der hochschulinternen Akkreditierung formuliert, einen innovativen Ansatz des Peer-Learning-Prinzips verfolgt und damit das Potenzial besitzt, Diskussionsprozesse zur Qualitätskultur in Gang zu setzen, die nicht in erster Linie auf die Einhaltung vorgegebener Standards ausgerichtet sind."

Eine Neuerung sowohl der internen Qualitätssicherungsverfahren als auch des Verfahrens auf Systemebene besteht auch in der veränderten Rolle der einzubeziehenden externen Gutachterinnen und Gutachter. "Forschungen legen nahe, die Rolle von Bewertenden und Bewerteten neu auszutarieren", erklärt Prof. Dr. Uwe Schmidt, Leiter des Zentrums für Qualitätssicherung und -entwicklung (ZQ) der JGU. "Es hat sich gezeigt, dass der Nutzen von Evaluationsverfahren für die extern bewertenden Akteure häufig höher ist als für die Bewerteten." Vor diesem Hintergrund soll es im Rahmen von Kollegialen Audits vielmehr um eine gemeinsame Betrachtung und Reflexion der vorgeführten Praxis gehen. Im Vordergrund steht damit eine kollegial beratende Perspektive.

Die JGU hat 2011 als bundesweit erste Hochschule das offizielle Siegel des Akkreditierungsrats erhalten und 2014 die damit verbundene Zwischenevaluation erfolgreich durchlaufen. Die positive Systemakkreditierung bescheinigt der JGU, dass ihr Qualitätssicherungssystem im Bereich von Studium und Lehre geeignet ist, das Erreichen der Qualifikationsziele und die Qualitätsstandards ihrer Studiengänge zu gewährleisten. Damit kann die JGU ihre Studiengänge selbstständig akkreditieren.