Ein Schuljahr in der Pandemie: Schulen gehen Herausforderungen an, benötigen aber mehr Unterstützung

Trinationale Längsschnittstudie S-CLEVER legt erste Ergebnisse vor / Digitales Lernen soll künftig im Unterricht vermehrt genutzt werden

10.12.2020

Die Pandemie stellt die Schulen auch zehn Monate nach den ersten Schulschließungen vor große Herausforderungen. Erste Daten der trinationalen Längsschnittstudie S-CLEVER zeigen, dass auch im aktuellen Schuljahr die Digitalisierung, die Unterstützung insbesondere von gefährdeten Schülerinnen und Schülern sowie die Belastung der Lehrpersonen für die Schulleiterinnen und Schulleiter große Herausforderungen darstellen.

Zu Beginn der Pandemie mussten die Schulen schnell reagieren und innerhalb weniger Tage Lösungen finden. Neu entwickelte Maßnahmen für das individuelle Lernen zu Hause standen ebenso im Fokus wie das Erproben vielfältiger Unterrichtsmethoden. So hat sich die Anzahl der Schulen, die eine Online-Plattform nutzen, seit März 2020 verdoppelt. Trotz dieser positiven Entwicklung hat sich bei der digitalen Ausstattung der Schulen bisher wenig getan. Auffällig ist, dass nur jede fünfte Schule Online-Plattformen als virtuelle interaktive Lehr-Lernumgebung nutzt. Die unterschiedlichen Erfahrungen mit digitalen Medien im Kollegium stellten die Schulleitungen vor besondere Herausforderungen. Dementsprechend benötigen die Schulen mehr Unterstützung nicht nur bei der Hard- und Softwareausstattung, sondern auch bei didaktischen Konzepten und den Kompetenzen der Lehrpersonen. Ein weiteres großes Thema, bei dem die Schulen Hilfe benötigen, ist die Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderem Unterstützungsbedarf.

Vieles lastete während der Schulschließungen auf den Schultern der Schulleiterinnen und Schulleiter. Die Hälfte aller Schulleiter gibt an, dass diese Zeit für sie äußerst belastend war. Jedoch haben sich die Anstrengungen gelohnt: 50 Prozent der Leitungspersonen sind zufrieden und 16 Prozent sogar sehr zufrieden, wie Lockdown und Wiedereröffnung an ihrer Schule bewältigt wurden. 90 Prozent der Schulen geben an, digitales Lernen zukünftig häufiger im Unterricht einsetzen zu wollen und Schülerinnen und Schüler insgesamt stärker zu eigenverantwortlichem Lernen zu befähigen. Dazu bedarf es auch zukünftig der Unterstützung der Lehrpersonen und der Weiterentwicklung schuleigener Konzepte für innovative Lernformate. Auf diesem Wege kann nachhaltige Schulentwicklung in Zeiten der Krise gelingen.

S-CLEVER ist eine trinationale Längsschnittstudie. Die dargestellten Ergebnisse basieren auf den ersten Befragungen im September und Oktober 2020. Insgesamt haben sich in Deutschland 588 Schulleiterinnen und Schulleiter allgemeinbildender Schulen aus 14 Bundesländern an der Studie beteiligt. Die Studie wird in Deutschland, der Schweiz und in Österreich von einem Konsortium der Universitäten Mainz, Rostock, Heidelberg, Zürich und Klagenfurt sowie dem DIPF Leibniz Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation durchgeführt. S-CLEVER wird in Deutschland gemeinsam von Prof. Dr. Tobias Feldhoff, Prof. Dr. Falk Radisch, Prof. Dr. Nina Jude und Prof. Dr. Kai Maaz geleitet und mit Mitteln der Robert Bosch Stiftung unterstützt.