Ausstellung "Das Wunder von Mainz": Von der Flakkaserne als Ort der Gewalt zur Heimat von Bildung und Wissenschaft

Universitätsarchiv Mainz führt anlässlich des Jubiläums 75 Jahre Wiedereröffnung der JGU auf einer virtuellen Entdeckungsreise durch die Anfangsjahre der Universität

03.05.2021

Von der Gründungsurkunde und der Rektorkette über Pläne und Modelle zur Baugeschichte bis hin zu einem ersten Veranstaltungsplakat der universitären Fastnacht: Ausgewählte Exponate zur Frühzeit der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) bis Ende der 1950er-Jahre zeigt die virtuelle Ausstellung „Das Wunder von Mainz“, zu der das Universitätsarchiv Mainz anlässlich des Jubiläums 75 Jahre Wiedereröffnung der JGU einlädt. Die Ausstellung hält hierfür ein umfangreiches digitales Angebot bereit und macht den Besucherinnen und Besuchern auf einer virtuellen Entdeckungsreise die Exponate multimedial unter anderem über Fotos, Videos und Tondokumente im Internet zugänglich. Vom 3. Mai bis 7. Juni 2021 kann die Ausstellung zudem in den großflächigen Schaufenstern der Schule des Sehens auf dem Campus der JGU betrachtet werden.

"Im Zentrum der Ausstellung steht die Entwicklung einer ehemaligen Flakkaserne als Ort der Gewalt zu einer Heimat der Bildung und Wissenschaft. Die Gründung der Universität unter den Bedingungen der Nachkriegszeit wurde bereits von den Zeitgenossen als 'Wunder von Mainz' wahrgenommen", erklärt der Leiter des Universitätsarchivs Mainz, Dr. Christian George.  

Die Ausstellung startet mit der Vorgeschichte der heutigen JGU. Thematisiert werden die bekannten Vorläuferinstitutionen wie die alte Mainzer Universität und der dazugehörige Universitätsfonds, aber auch unbekanntere Wurzeln wie das Pädagogische Institut, welches die Mainzer Bildungslandschaft in der Zeit der Weimarer Republik prägte. Besondere Aufmerksamkeit kommt der Gründung der JGU zu, die anhand der beteiligten deutschen und französischen Protagonisten erzählt wird. Nicht zuletzt wird auch das Germersheimer Dolmetscherinstituts als immanenter Teil des JGU-Hochschulprofils behandelt.

Probleme der Anfangszeit

Da die Gründung einer Universität so kurz nach dem Zweiten Weltkrieg nicht ohne besondere Herausforderungen war, beleuchtet ein weiteres Kapitel der Ausstellung die Schwierigkeiten der Anfangszeit. Hierzu gehörte neben der prekären Wohn- und Ernährungssituation auch der Mangel an Material. Dass der Aufbau der Universität dennoch von Erfolg gekrönt war, zeigt sich nicht zuletzt an der regen Bautätigkeit auf dem Campus. Diese prägt das Gesicht der Universität bis heute und trug dazu bei, die ehemalige Kaserne in einen Ort des Lernens und der Forschung zu verwandeln.

Lebenswelt der Studierenden

Den Studierenden als zahlenmäßig größter Gruppe der Universität gilt ein besonderes Augenmerk. Neben ihrem politischen Engagement wird vor allem die Lebenswelt der Studierenden gezeigt. So waren beispielsweise in den nach Geschlechtern getrennten Wohnheimen Besucher des anderen Geschlechts längst nicht selbstverständlich. Damals wie heute gehörte geselliges Zusammensein zum Studium dazu, wie sich an einem frühen Veranstaltungsplakat der universitären Fastnacht zeigen lässt.   

Als Querschnittsthema wird die Rolle der Frauen an der Universität exemplarisch in den Blick genommen. Denn Frauen haben nicht nur maßgeblichen zu Forschung und Lehre beigetragen, sondern stellten auch einen großen Anteil der Studierendenschaft. Eine dieser Studentinnen war Hannelore Renner, die spätere Ehefrau Helmut Kohls.  Am Beispiel einer Bibliothekarin wird darüber hinaus verdeutlicht, dass der Betrieb einer Universität nicht nur von wissenschaftlichem Personal abhängt, sondern in großem Maße auch auf die Unterstützung durch nicht-wissenschaftliches, häufig weibliches Personal angewiesen war und ist.

In der Ausstellung Erwähnung finden zudem die internationalen Beziehungen der JGU. Denn bereits kurz nach ihrer Gründung begann die JGU internationale Beziehungen in alle Welt zu knüpfen. Dies zeigt sich an international abgehaltenen Ferienkursen, ausländischen Gastprofessoren, Ehrendoktoren und Besuchern wie dem französischen Außenminister Robert Schuman.