Bundespräsident a. D. Joachim Gauck ist Inhaber der Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur im Jahr 2021

21. Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur stellt mit digitaler Vorlesungsreihe "Demokratie in Frage" das Modell der westlichen liberalen Demokratie und seine Zukunft in den Mittelpunkt

05.05.2021

PRESSEMITTEILUNG DER FREUNDE DER UNIVERSITÄT MAINZ E.V. UND DER JOHANNES GUTENBERG-STIFTUNGSPROFESSUR

Bundespräsident a. D. Joachim Gauck ist Inhaber der Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur 2020/2021. Als Pastor leitete er 1989 die Friedensgebete, er war Sprecher der Bürgerbewegung Neues Forum in Rostock und 1990 Abgeordneter der ersten frei gewählten Volkskammer, ein Jahrzehnt war er Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. Am 18. März 2012 wurde Joachim Gauck von der Bundesversammlung zum 11. Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Seit 2017 ist er Ehrenvorsitzender der Vereinigung "Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V.". Joachim Gauck hat durch seine Leistungen um die Demokratie und das Eintreten für Toleranz, für Freiheit und für die Verantwortung, die Freiheit mit sich bringt, Deutschland und die gesellschaftlichen Debatten bis heute entscheidend mitgeprägt.

Die Vorlesungsreihe seiner Stiftungsprofessur im Sommersemester 2021 stellt Joachim Gauck unter den Titel "Demokratie in Frage". Es ist die Frage nach der Zukunft des westlichen Modells der liberalen Demokratie: Hatte man mit dem Ende des Kalten Krieges erwartet, die westliche Ordnung von Demokratie, Freiheit und Marktwirtschaft werde sich weltweit durchsetzen, so weisen die Entwicklungen des frühen 21. Jahrhunderts in eine andere Richtung. Das Modell der liberalen Demokratie ist in die Krise geraten und wird von populistischen Bewegungen und autoritären Staats- und Regierungsformen bedrängt. Digitalisierung, Klimawandel und die Pandemie stellen zudem die tradierten repräsentativen Demokratien vor ganz neue, übergreifende Probleme. Daher befasst sich "Demokratie in Frage" damit, ob das westliche Modell der liberalen Demokratie auch im 21. Jahrhundert zukunftsfähig ist und wie es sich verändern muss.

"Die Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur verschreibt sich in diesem Jahr in besonderer Weise dem Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Für diesen Brückenschlag hat die Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Joachim Gauck einen ausgezeichneten Ansprechpartner gefunden, der Meinungsbildungsprozesse befördern und Impulse in aktuellen politischen Debatten setzen kann. Ich bin überzeugt, dass die Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur 2020 erneut einen großen Zuhörerkreis finden wird und damit zu einem lebendigen Wissenschaftsstandort Mainz beiträgt", dankt der Präsident der Johannes Gutenberg-Universität, Prof. Dr. Georg Krausch, der Vereinigung der Freunde der Universität Mainz e.V..

Stiftung "Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur"

Eingerichtet hat die "Vereinigung der Freunde" die Stiftung "Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur" anlässlich des 600. Geburtstags von Johannes Gutenberg im Jahr 2000. Sie soll in Lehre und Forschung neue Akzente setzen und die Auseinandersetzung mit aktuellen Problemstellungen ermöglichen. Die Stiftungsprofessur ist Persönlichkeiten vorbehalten, die in besonderer Weise Fachperspektiven verbinden und übergreifende Einsichten entwickeln können.

Bisherige Inhaber der Stiftungsprofessur waren der Kulturhistoriker und Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels Fritz Stern (2000), der führende Vertreter der Evolutionsbiologie und Pionier der Soziobiologie Bert Hölldobler (2001), der frühere Bundes­außenminister Hans-Dietrich Genscher (2002), der ehemalige Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung Wolfgang Frühwald (2003), der ehemalige Exekutiv-Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) Klaus Töpfer (2004), der Komponist und Dirigent Peter Ruzicka (2005), der Wiener Experimentalphysiker Anton Zeilinger (2006), der Immunologe Fritz Melchers (2007), der Literatur- und Sozialwissenschaftler Jan Philipp Reemtsma (2008), Karl Kardinal Lehmann (2009), die Neuropsychologin und Kognitionswissenschaftlerin Angela D. Friederici (2010), der Kunsthistoriker und Bildwissenschaftler Gottfried Boehm (2011), der Paläoanthropologe Friedemann Schrenk (2012), der Finanzwissenschaftler Gerold Krause-Junk (2013), der Physiker Christof Wetterich (2014), die Kulturwissenschaftler Aleida und Jan Assmann (2015), der Biopsychologe Onur Güntürkün (2016), der Informatiker Wolfgang Wahlster (2017), der Politikwissenschaftler Herfried Münkler (2018) sowie der Zellphysiologe Hanns Hatt (2019).