Bibelwissenschaftlerin Adele Reinhartz erhält Konrad Adenauer-Forschungspreis der Alexander von Humboldt-Stiftung

Gastprofessorin wird in Mainz ihre Arbeiten zu jüdisch-christlichen Beziehungen in der Antike vertiefen

26.05.2021

Die kanadische Wissenschaftlerin Prof. Dr. Adele Reinhartz wird mit dem Konrad Adenauer-Forschungspreis der Alexander von Humboldt-Stiftung ausgezeichnet und kommt als Gastprofessorin an die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). Nominiert wurde sie von Prof. Dr. Esther Kobel, Professorin für Neues Testament an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der JGU. Die Alexander von Humboldt-Stiftung verleiht jährlich den Konrad Adenauer-Forschungspreis an eine international anerkannte Wissenschaftlerin beziehungsweise einen international anerkannten Wissenschaftler aus Kanada und zeichnet damit das bisherige Gesamtschaffen dieser führenden Forscherpersönlichkeit aus. Der Preis dient der Stärkung der wissenschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Kanada.

Beziehungen zwischen frühem Christentum und frühem Judentum im Fokus der Forschung

Prof. Dr. Adele Reinhartz ist eine international anerkannte Wissenschaftlerin und ausgewiesene Expertin für die Geschichte und Literatur des entstehenden Christentums und frühen Judentums in der griechisch-römischen Zeit. Seit 2005 ist sie Professorin am Department Klassische Philologie und Religionswissenschaften der University of Ottawa in Kanada. Mit ihrer nahezu einzigartigen Sonderstellung als jüdische Forscherin, die insbesondere zu frühchristlichen Texten arbeitet, hat sie den aktuell virulenten Forschungsdiskurs der Trennungsprozesse zwischen christusgläubigen Juden – später Christen genannt – und nicht-christusgläubigen Juden im 1. Jahrhundert wesentlich angestoßen und mitgeprägt. Sie hat insbesondere zum Johannesevangelium geforscht sowie zu Bildern von Frauen in biblischen Texten und zur Wirkungsgeschichte der Bibel in Kinofilmen und im Fernsehen. Durch Publikationen und Vortragstätigkeit in aller Welt hat Reinhartz den Diskurs zu jüdisch-christlichen Beziehungen in der Antike und davon ausgehend auch in der Gegenwart maßgeblich befruchtet.

Reinhartz arbeitet an einem neuen Paradigma für ein adäquateres Verstehen von jüdisch-christlichen Beziehungen in der Antike. Der Forschungspreis ermöglicht es ihr, diese Forschungsarbeiten zu vertiefen und insbesondere in deutschen Netzwerken fruchtbar einzubringen. "Auf der Basis ihrer Aufenthalte in Mainz könnte sich hier ein Forschungszentrum zu Identität und Beziehung im frühen Christentum und frühen Judentum entwickeln", erklärt Prof. Dr. Esther Kobel zur geplanten Zusammenarbeit.

Der Konrad Adenauer-Forschungspreis ist mit 60.000 Euro dotiert. Die Preisträgerinnen und Preisträger werden zudem eingeladen, selbst gewählte Forschungsvorhaben in Deutschland in Kooperation mit Fachkolleginnen und Fachkollegen durchzuführen.