Begegnungsraum für Biodiversitätsbildung: Vielfaltsgarten der Grünen Schule eröffnet

Gemeinsames Gärtnern und Erleben der biologischen Vielfalt erweitern die Bildungsangebote der Grünen Schule

27.08.2021

Gemeinsames Gärtnern und Erleben der biologischen Vielfalt: Im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit der Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz (LZU) entsteht ein "Vielfaltsgarten" im Botanischen Garten der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU), der als Begegnungsraum für Biodiversitätsbildung das Bildungsangebot der Grünen Schule ergänzt. Dieser Vielfaltsgarten soll junge Menschen zusammenbringen, die sich für den Erhalt der Biodiversität einsetzen wollen. Die Kosten für den neuen Garten belaufen sich auf 30.000 Euro. Ermöglicht wurden der Bau und die Anlage des Vielfaltsgartens durch Spenden der Mainzer Wissenschaftsstiftung und des Freundeskreises des Botanischen Gartens.

"Besonders für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sind gemeinsame Naturerlebnisse äußerst wertvoll. Der neue Vielfaltsgarten ist ein wunderbares Beispiel, wie solche Erlebnisse konkret konzipiert und umgesetzt werden können. Die Projekte im Vielfaltsgarten vermitteln eine Wertschätzung für unsere heimischen Pflanzen und Tiere – ganz im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung. Mit dem Vielfaltsgarten setzen wir uns für das Verständnis unserer Lebensgrundlagen und deren Zusammenspiel ein", sagt Anne Spiegel, Ministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität des Landes Rheinland-Pfalz, anlässlich der Eröffnung des Vielfaltsgartens.

Der Vielfaltsgarten ergänzt das Bildungsangebot der Grünen Schule um gartenpraktische Anteile. Eine Gartenhütte mit architektonischem Bezug zur Grünen Schule verbindet den Vielfaltsgarten mit dem Bauerngarten zu einem neuen Begegnungsraum. Dabei ist der Vielfaltsgarten als Versuchs- und Experimentierfläche für Studierende sowie Schülerinnen und Schüler gedacht, aber auch als Schau- und Lehrgarten für Nutz- und Wildpflanzenvielfalt.

"Wissenschaftliche Themen der Bevölkerung im Dialog anschaulich und doch auf hohem Niveau zu vermitteln, ist unserer Universität ein besonderes Anliegen Die Diskussionen rund um die Corona-Krise und den Klimawandel haben uns in diesem Anliegen bestärkt", erklärt Prof. Dr. Stephan Jolie, Vizepräsident für Studium und Lehre der JGU. "Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen wollen wir mit Bildungsangeboten schon früh die Begeisterung für Natur und Wissenschaft wecken und das Interesse an einem Studium fördern. Wissenschaftskommunikation in dieser institutionalisierten Form wie der Grünen Schule, des NatLab für Schülerinnen und Schüler oder auch der Schule des Sehens ist ein Markenzeichen unserer Universität, das wir gerade jetzt gezielt ausbauen."

Vom Handeln zum Wissen: Pilotprojekt zum "Nachhaltig Gärtnern"

Bereits im April 2021 hat die Arbeit im Vielfaltsgarten mit einem Pilotprojekt zum "Nachhaltig Gärtnern" begonnen; daran beteiligen sich 14 Studierende unterschiedlichster Fachbereiche der JGU. Die Studierenden nutzen derzeit drei der sechs großen, mit Cortenstahl eingefassten Hochbeete. Hier experimentieren sie mit Mischkulturen und Mulch- und Jauche-Anwendungen – ganz in dem Sinn "vom Handeln zum Wissen". Die genutzten Bildungsmaterialien für den Wissenserwerb rund um ressourcen- und bodenschonenden Umgang mit Dünger, Wasser und Pflanzen entstanden im Wintersemester. Studierende im Studiengang "Master of Education Biologie" haben sie innerhalb eines Wahlpflichtpraktikums entwickelt.

"Die Studierenden waren hochmotiviert, insbesondere auch weil sie wussten, dass ihre Bildungsmaterialien direkt im Folgesemester zum Einsatz kommen. Spannend war es zu sehen, wie sich die Konzepte im Laufe der Kurse entwickelten und die Studierenden selbst in den Diskurs zu hochaktuellen politischen Themen im Kontext Pflanze und Boden eintauchten. Einige begleiten das Projekt bis heute", so Dr. Ute Becker von der Grünen Schule im Botanischen Garten.

Die Konzeptionen sowohl für das Wahlpflichtpraktikum als auch für den Kurs "Nachhaltig Gärtnern" fanden im Rahmen des von der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichneten und von der Bundesstiftung Umwelt geförderten Projekts "Die politische Pflanze" statt. Der Begriff "politische Pflanze" bezeichnet die Tatsache, dass Wild- und Kulturpflanzen Gegenstand politischen Handelns sind. In diesem bundesweiten Projekt verknüpfen Teams von Botanischen Gärten und staatlich getragenen Naturschutzakademien in acht Bundesländern Biodiversitätsbildung und politische Bildung durch gemeinsame Bildungsangebote. In Rheinland-Pfalz bilden der Botanische Garten und die Landeszentrale für Umweltaufklärung des Landes Rheinland-Pfalz (LZU) das Länderteam. Hier dreht sich alles um den Zusammenhang zwischen "Pflanzen, Boden und Politik".

Die Hochbeete im Vielfaltsgarten wurden zu diesem Zweck mit unterschiedlichen Böden gefüllt, welche für Rheinland-Pfalz typisch sind. Drei davon werden mit derselben Auswahl von heimischen Wildpflanzen bepflanzt. "Wir erwarten", so erklärt Prof. Joachim W. Kadereit, Direktor des Botanischen Gartens der JGU, "dass sich die Arten entsprechend ihrer Standortansprüche auf den unterschiedlichen Böden auch unterschiedlich entwickeln. Wir sind selbst gespannt, wie das im Detail klappt."