Christopher Reinkemeier erhält Preis der IHK für Rheinhessen 2021

Dissertation bereits zum vierten Mal ausgezeichnet

19.01.2022

"Gutes setzt sich durch", lautet ein Sprichwort. So auch die Dissertation von Dr. Christopher Reinkemeier, die er an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU), dem Institut für Molekulare Biologie (IMB) und dem European Molecular Biology Laboratory (EMBL) Heidelberg bei Prof. Dr. Edward Lemke angefertigt hat. Sie wurde nun mit dem ersten Preis der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen 2021 gekürt. Der Preis hat die Förderung des akademischen Nachwuchses zum Ziel und ist mit einem Preisgeld von 2.500 Euro dotiert. "Ich freue mich sehr über den Erfolg meines ehemaligen Doktoranden", teilt Edward Lemke zu der Auszeichnung mit. "Zum einen für ihn persönlich, zum anderen, weil es die guten Bedingungen an der JGU und am IMB für Nachwuchsforschende zeigt."

"Wirtschaft trifft Wissenschaft – diese Leitlinie unserer Auszeichnung trifft die Dissertation perfekt", sagt Peter Hähner, Präsident der IHK für Rheinhessen. "Dass das zugehörige Patent bereits von einem Biotechnologie-Unternehmen lizensiert worden ist, zeigt deutlich, welche Bedeutung die Arbeit auch für die Wirtschaft hat."

Forschungsarbeit erweitert die Grundlagen für eine gezielte Proteinmarkierung

In seiner Dissertation mit dem Titel "Spatially Confining Translation to Enable Optimized Genetic Code Expansion in Eukaryotes" schafft Reinkemeier neue Werkzeuge für die Mikroskopie und eröffnet Möglichkeiten im synthetischen Zell-Engineering und in der biomedizinischen Forschung. Denn: Möchte man neue Funktionalitäten in lebende Zellen integrieren, dürfen sich die zelleigenen Prozesse und die neuen Funktionalitäten nicht gegenseitig stören. Bei den synthetischen Organellen, die Reinkemeier entwickelt hat, ist dies gegeben. Sie erlauben somit, spezifisch neuartige Proteine herzustellen, in die sich nicht-kanonische Aminosäuren einbauen lassen. Die Proteine lassen sich dann beispielsweise selektiv mit Fluoreszenzfarbstoffen markieren. Anders gesagt: Durch diese Organellen entstehen erstmals menschliche Zellen, die zeitgleich mehrere erweiterte genetische Codes ausführen können.

Anwendungen für die Technologie gibt es zahlreiche. So können sie unter anderem dabei helfen, Antikörper für therapeutische Zwecke herzustellen. Auf diese Weise könnten sie eine große Bedeutung für die biomedizinische Forschung haben. Das zugehörige Patent wurde bereits an das Biotechnologie-Unternehmen Veraxa exklusiv lizensiert, das Lemke vor drei Jahren mit Kolleginnen und Kollegen gegründet hat. Seine Ergebnisse veröffentlichte der Nachwuchsforscher in Erstautoren-Artikeln unter anderem in den renommierten Fachzeitschriften Science und Cell, die große Medienaufmerksamkeit fanden.

Bereits zum vierten Mal preisgekrönt

Der erste Preis der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen 2021 ist keineswegs der einzige Preis, den Reinkemeier für seine außergewöhnliche Doktorarbeit erhielt. So wurde ihm im Jahr 2020 bereits der Internationale Birnstiel Award verliehen, der herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für ihre Promotion in den Lebenswissenschaften kürt und für den über 130 Nominierungen eingegangen waren. Die insgesamt sechs Preisträgerinnen und Preisträger haben, so die Informationen zu dieser Auszeichnung, während ihres Promotionsstudiums ein weit überdurchschnittliches Maß an Einsicht, Kreativität und Selbstständigkeit bewiesen und bemerkenswerte Beiträge in ihrem Forschungsgebiet geleistet.

Im Jahr 2021 erhielt Reinkemeier den Rainer-Rudolph-Preis, dotiert mit 1.000 Euro, sowie den mit 1.500 Euro dotierten Karl-Lohmann-Preis der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM). Mittlerweile arbeitet Reinkemeier als Postdoktorand am Lehrstuhl für Biologisches Engineering der ETH Zürich in Basel.